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Restwertangebot: Geschädigter muss nicht warten

Das Landgericht (LG) Karlsruhe hat in einem Hinweisbeschluss vom 15. Februar 2016 dargelegt, dass ein Unfallgeschädigter nicht abwarten muss, bis die gegnerische Haftpflicht-Versicherung ein eigenes Restwertangebot für das Auto des Unfallopfers abgibt. Der Geschädigte müsse sich gerade nicht den Verwertungsmodalitäten der gegnerischen Haftpflichtversicherung unterwerfen (AZ: 20 S 118/15).

Im verhandelten Fall war die Klägerin eine Leasinggeberin. Ein bei der Klägerin geleastes Fahrzeug erlitt am 6. Oktober 2014 einen Totalschaden bei einem Verkehrsunfall. Ein von der Klägerin eingeholtes Sachverständigengutachten vom 10. Oktober 2014 bemaß den Restwert aufgrund dreier eingeholter regionaler Angebote mit 1.722,69 Euro netto. Die Klägerin veräußerte am 13. Oktober 2014 das Unfallfahrzeug für 1.764,70 Euro.

Die Beklagte übermittelte mit Schreiben vom 29.10.2014 ein höheres Restwertangebot in Höhe von 4.243,70 EUR und regulierte den Schaden unter Abzug des höheren Restwertangebotes. Das AG Pforzheim hatte der Klage mit Urteil vom 06.08.2015 (AZ: 2 C 121/15) stattgegeben. Die Beklagte verfolgt mit ihrer Berufung ihren erstinstanzlichen Klageabweisungsantrag weiter. Das Landgericht machte aber deutlich, dass der Geschädigte Herr des Restitutionsverfahrens ist. Folglich muss er den beabsichtigten Verkauf zum gutachterlich ermittelten Restwert nicht anzeigen.